Mehrere Stimmen, eine Entscheidung: wie dir das Innere Team bei Ambivalenz hilft

Es gibt diese Entscheidungen, bei denen die Fakten eigentlich klar sind und sich trotzdem nichts klar anfühlt.
Die Stundenreduktion, die rational sinnvoll wäre, und doch zögert man.
Die Rückkehr in den Job nach einer Pause, die man sich wünscht und vor der man sich gleichzeitig fürchtet.
Der nächste Karriereschritt, der eigentlich dran wäre, und trotzdem bleibt dieses Ziehen in die andere Richtung.

Diese Art von Zerrissenheit wird oft als Problem verstanden. Als müsste man erst zu einer eindeutigen Haltung kommen, bevor man handlungsfähig ist. Dabei zeigt diese Ambivalenz meist etwas anderes: dass mehrere berechtigte Anliegen gleichzeitig aktiv sind, von denen keines einfach verschwindet, nur weil man es ignoriert.

Warum sich Entscheidungen manchmal wie ein Tauziehen anfühlen

Wenn eine Entscheidung sich zäh anfühlt, liegt das selten an fehlenden Informationen. Es liegt daran, dass unterschiedliche innere Anteile etwas wollen, das sich im Moment gegenseitig ausschließt. Der eine Anteil will den nächsten Schritt gehen, der andere will erstmal durchatmen. Solange man versucht, einen davon zum Schweigen zu bringen, bleibt die Spannung bestehen, nur eben unter der Oberfläche.

Das Innere Team als Modell für diese Spannung

Ein Modell, das genau hier ansetzt, ist das Innere Team, geprägt von Friedemann Schulz von Thun. Die Grundidee: man ist nicht eine einzige Stimme, sondern ein Team aus verschiedenen inneren Anteilen, die jeweils ein eigenes Anliegen vertreten. Die Stimme, die Sicherheit will. Die Stimme, die nach Entwicklung ruft. Die, die erschöpft ist und Ruhe braucht. Die, die Loyalität gegenüber der Familie einfordert. Keine dieser Stimmen ist falsch. Jede hat einen Grund, da zu sein.

Was hilft, ist eine Verschiebung der Frage. Nicht: welche Stimme ist richtig und welche muss verschwinden. Sondern: was will dieser Anteil eigentlich erreichen, auch wenn er sich unangenehm anfühlt. Selbst ein Gefühl, das man am liebsten loswerden würde, etwa Angst vor Veränderung oder ein schlechtes Gewissen, hat fast immer eine schützende Funktion. Es will vor etwas bewahren oder an etwas erinnern, das wichtig ist.

Figuren stellen nach dem Inneren Team Modell. Eine Hand zwei Figuren

Das Innere Team nach Schulz von Thun

Verschiedene Rollen, ein Mensch: Im inneren Team wird sichtbar, was sich oft nur unklar zeigt.

Sichtbar machen, was im Kopf nur diffus ist

In der Praxis lässt sich das gut greifbar machen, zum Beispiel mit einer Aufstellung mit Spiel-Figuren. Jede Figur steht für eine innere Stimme, die in der jeweiligen Frage mitspricht. Allein das Hinstellen, das Anschauen, wer wo steht und wie nah oder fern die Figuren zueinander sind, bringt oft schon erste Klarheit darüber, was eigentlich im Spiel ist. Es macht etwas sichtbar, das vorher nur als unbestimmtes Unwohlsein da war.

Eine solche Aufstellung lässt sich auch für sich allein machen, und das liefert bereits wertvolle Hinweise. Vollständiger wird das Bild meist dann, wenn jemand von außen mitschaut. Jemand, der nicht in der eigenen Verstrickung steckt, sieht oft Verbindungen und Muster, die einem selbst entgehen, einfach weil man mitten drin ist.

Eine andere Frage stellen

Wer das nächste Mal vor einer Entscheidung steht und merkt, dass sich etwas sperrt, kann eine andere Frage ausprobieren als die übliche. Nicht: was soll ich tun. Sondern: welche Stimmen sind gerade aktiv, und was will jede einzelne davon eigentlich erreichen. Die Antwort muss nicht sofort da sein. Es reicht, den verschiedenen Anteilen erstmal zuzuhören.

Wenn die Stimmen lauter werden, als man allein tragen kann

Manche Entscheidungen lassen sich mit dieser Reflexion gut für sich allein klären. Andere brauchen einen Raum, in dem die verschiedenen Stimmen tatsächlich gehört und nicht vorschnell sortiert werden. Wenn du merkst, dass du an diesem Punkt feststeckst, begleite ich dich gern in einem Coachingprozess, der genau dort ansetzt: bei der Frage, was deine inneren Anteile dir eigentlich sagen wollen.

Julia Lenders während des Coachings mit Stift und Block

Ich bin Julia Lenders, Coach für Frauen in beruflichen und privaten Veränderungsphasen.

In meiner Arbeit schaue ich mit meinen Klientinnen genau dort hin, wo sich Entscheidungen zäh anfühlen, weil mehrere innere Stimmen gleichzeitig sprechen. Mit Methoden wie dem Inneren Team helfe ich, diese Stimmen sichtbar zu machen, statt sie zu übergehen.

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Vereinbarkeit ist selten eine Zeitfrage – und oft eine Rollenfrage